Die alte »Frankfurter«


Die alte »Frankfurter«Friedrichshain wurde 1920 innerstädtischer Bezirk Großberlins. Die heutige Karl-Marx-Allee zwischen Alexanderplatz und Frankfurter Tor hieß bis 1949 Große Frankfurter Straße, am Frankfurter Tor ging sie in die Frankfurter Allee über.

Sie war eine enge, durch Baufluchten begrenzte Korridorstraße mit tristen Mietskasernen und lichtarmen Hinterhöfen. Die alte Frankfurter Allee führte bis 1945 das Dasein einer typischen Berliner Wohn- und Geschäftsstraße mit Großstadtflair in dem vernachlässigten und verwahrlosten Arbeiterbezirk Friedrichshain. Hier flanierten die kleinen Leute: Arbeiter, schlecht bezahlte Angestellte, kleine Beamte und Händler.

Hier gab es keine eleganten Geschäfte und Restaurants, aber fast in jedem Haus einen Laden oder eine Kneipe. In diesen Budiken, Stampen oder Destillen pichelte der Berliner seine Molle und seine Schnepperkens.

In der Großen Frankfurter Straße wurde 1908 das Kaufhaus von Hermann Tietz gegründet, mit anderen Handelseinrichtungen machte er diese Straße zum Einkaufszentrum des Berliner proletarischen Ostens. In der Großen Frankfurter Straße befand sich auch das Rose Theater, das 1877 als Ostend-Theater gegründet und 1906 von Bernhard Rose weitergeführt wurde. In ihm wurden klassische und zeitgenössische Stücke gespielt.

Besonders eindringlich hat Alfred Döblin (1878-1957) die Atmosphäre des Berliner Ostens in seinem Roman »Berlin Alexanderplatz« eingefangen. Döblin arbeitete als Arzt und hatte seine Praxis in der Frankfurter Allee 340.