Geschäftsleben auf der Allee

Geschäftsleben auf der AlleeGeschäftsleben auf der Allee

In der Ausschreibung des Wettbewerbs Stalinallee vom 25.04.1951 wurde festgehalten, dass die Läden in den Erdgeschossen der Wohnbauten unterzubringen seien. Verlangt wurden 1200 qm für Groß-Läden und 710 qm für Einzelläden, also 1910 qm Ladenfläche (plus 1850 qm Lager- und Nebenräume) für 14 Blöcke mit ca. 2800 Wohnungen. Die Verkaufsfläche war damit sehr gering angesetzt.

Konzeptionell waren die Läden und Gaststätten in der Stalinallee zunächst für die örtliche Versorgung bestimmt. Die Vision war jedoch, durch Spezialgeschäfte die Stalinallee zum Schaufenster der DDR zu machen und ein überregionales Publikum anzusprechen. Die U-Bahnlinie schuf die nötige Infrastruktur. Die spezielle Architektur der Gebäude begünstigte nicht unbedingt die Einrichtung von repräsentativen Geschäften.

Die Gestaltungsmöglichkeit in den einzelnen Läden waren eher gering. Zum Teil erfolgte die Projektierung der Läden erst nach Abschluss der gesamten Block-Planung. Einige Spezialgeschäfte konnten auf Grund des mangelnden Warenangebotes nicht realisiert werden. Die Kosten der Ladenplanung wurden nicht vom Nationalen Aufbauprogramm übernommen. Der Magistrat stellte für den Innenausbau Investitionsmittel in Millionenhöhe zur Verfügung.

Am 29.3.1952 bekam die Bauakademie (Präsident Kurt Liebknecht) die Verantwortung für den Ausbau der Läden vom Vorentwurf über die Entwurfbearbeitung, Bauleitung bis zur Übergabe. Die Bauakademie hatte somit die Aufgabe in Zusammenarbeit mit der staatlichen Handelsorganisation (HO), der Konsumgenossenschaft und dem Magistrat von Groß Berlin als Auftraggeber, den Ladenausbau auszuführen. Alle Lebensmittel-, Industrie- und Textilwarengeschäfte wurden von der HO bzw. der Konsumgenossenschaft übernommen. Der Magistrat war für die Apotheken, Postämter, Friseurläden, Polizeireviere und Aufklärungslokale der Nationalen Front zuständig.

Der SED-eigene Betrieb Fundament übernahm die Buchhandlung, ein Verkehrsbüro und ein Sportgeschäft. Der Magistrat koordinierte die Vergabe, es wurden mehrere Ministerien und Interessenverbände einbezogen.

Am 1.8.1954 eröffnete der HO-Kreisbetrieb Stalinallee ein Kinderkaufhaus am Strausberger Platz. Das Vorbild dazu bildete ein ähnliches Projekt in Prag. Im Gebäude befanden sich ein Puppentheater für 150 Gäste, ein Kindergarten, das Kinderkaufhaus und ein Kindercafé, in dem Erwachsene nur Zutritt in Begleitung von Kindern hatten.

Das Kinderkaufhaus war überregional ein besonderer Anziehungspunkt für viele Kinder und Eltern.