Ein kurzer Spaziergang über die Karl-Marx-Allee

 

Ein kurzer Spaziergang über die Karl-Marx-Allee

 

Modell Karl-Marx-Allee

Vor dem Café Sibylle, im Boden eingelassen, befindet sich ein Modell der Karl-Marx-Allee im Maßstab 1:2000. Es soll vor allem dazu dienen, die Lage der Straße im Stadtraum deutlich zu machen. Markante Punkte wie der Fernsehturm und der Volkspark Friedrichshain helfen bei der Orientierung. Die Ergebnisse städtebaulicher Umgestaltungen des Stadtgebietes vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart können an Hand des Modells gut erklärt werden

 

Von der Zerstörung bis zum Wiederaufbau

Installationen von Trümmersteinen, Ziegelstapeln und Mauerblöcken symbolisieren den Wiederaufbau der Straße. Darin eingehängt, vermitteln grafisch aufwendig gestaltete Tafeln wissenswerte Details. Behandelt werden: das Ausmaß der Zerstörungen 1945, die ersten Nachkriegsplanungen, die Wohnzelle Friedrichshain, die Deutsche Sporthalle und der Bau des Hochhauses an der Weberwiese. Zeitgenössische Tondokumente können über historische Telefonapparate abgehört werden.

 

Stalindenkmal

Das größte Stalindenkmal auf deutschem Boden stand bis zum November 1961 in der Stalinallee. Eine Installation vermittelt einen Eindruck vom Aussehen des Denkmals, erschließt seine Geschichte und setzt sich mit dem Kult um J.W. Stalin auseinander. Ohr und Bart des Diktators, als einzig erhalten gebliebene Reste des Denkmals, werden präsentiert und die spannende Überlieferungsgeschichte erzählt.

 

Wettbewerb

Zur Bebauung der Stalinallee wurde 1951 ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Keiner der eingereichten Vorschläge war der DDR-Führung recht, und so kam es, dass nicht ein, sondern schließlich sechs Architekten die Stalinallee bauten. Nicht nur der Wettbewerb um die Stalinallee und die ausgeführten Entwürfe werden vorgestellt, sondern auch die Vorschläge, die keine Berücksichtigung fanden, können am Computer studiert werden.

 

Baustellen und Nationales Aufbauprogramm

Der Aufbau der "Wohnpaläste" erfolgte mit einfachsten Mitteln. Die schrille Propagandasprache der Zeit machte aus den im Akkord schuftenden Maurern "Helden der Arbeit" und manch Führungskader mochte nur zu gern glauben, dass auf den Baustellen der Stalinallee ein neuer, sozialistischer Menschenschlag geboren wurde.
Das zufällig aufgefundene Tagebuch eines Brigadiers vom Strausberger Platz vermittelt einen realistischen Eindruck vom Alltag auf den Baustellen. Ebenso interessant, die Rolle der Aufbauhelfer, die im Rahmen des "Nationalen Aufbauprogramms Berlin" für die Enttrümmerung der Baustellen sorgten und einen großen Traum hatten, sondern eine Wohnung auf der Stalinallee zu beziehen.

 

Aktion Dampferfahrt

Der Aufstand des 17. Juni 1953 hatte eine Vorgeschichte, die auf einer Dampferfahrt der Weißen Flotte begann und sich auf den Baustellen der Stalinallee fortsetzte. Am 16. Juni marschierten schließlich über 800 Bauarbeiter auf der Stalinallee und forderten die Rücknahme von erhöhten Arbeitsnormen. Als ihr Zug die Innenstadt erreichte, war aus dem Protestmarsch eine Demonstration geworden. Soziale Forderungen verbanden sich mit Rufen nach politischer Freiheit. Bisher unbekanntes Fotomaterial dokumentiert die Anfänge des Aufstandes vom 17.Juni 1953.

 

Alltag auf der Allee

Wie lebte es sich auf der Stalinallee? Dieser Frage kann im zweiten Teil des Ausstellungsrundganges nachgegangen werden. Was war das Besondere an den Stalinallee-Briefkästen? Warum beeindruckte die Qualität der Wohnungen? Eine originale Verkaufsvitrine aus der Allee birgt kleine Kostbarkeiten wie z.B. einen Kalender von 1962, der nie in den Handel kam. Kurz nach dem Druck wurde die auf dem Deckblatt dargestellte Stalinallee in Karl-Marx-Allee umbenannt. Sehenswert ist ein Holzmodell der Allee aus den Jahren 1956/57, das im Umfeld des Architekten Hermann Henselmann als Gastgeschenk Verwendung fand. Aufbaukarten, Medaillen, Urkunden, Briefmarken und Stalinallee-Streichholzschachteln gehören ebenso zu den Exponaten wie die erste Speisekarte der legendären Milchbar auf der Allee. Der Brief einer Buchhändlerin erzählt von der Eröffnung der Karl-Marx-Buchhandlung. Mit Hilfe einer alten Registrierkasse des berühmten Traditionsgeschäftes lässt sich die Geschichte der DDR-Währung rekonstruieren.

 

Aufbauplakate

Das "Nationale Aufbauprogramm Berlin 1952" wurde von einer beispiellosen Medienkampagne begleitet. In Wort, Bild und Ton wurden die Ostberliner zur Teilnahme am Aufbau geworben. Vier der aufwendig gestalteten Plakate können im Ausstellungsraum begutachtet werden.